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Ratgeber · Messdaten · Stand: Oktober 2026

Wohnflächen­berechnung bei Dachschrägen

Unter Dachschrägen zählt nach § 4 der Wohnflächenverordnung jede Fläche ab 2 m lichter Höhe voll, zwischen 1 und 2 m zur Hälfte und unter 1 m gar nicht. Balkone kommen meist mit einem Viertel dazu, Keller und Dachboden gar nicht. Die DIN 277 zählt alle Grundflächen voll und liefert deshalb größere Werte. Stand: Oktober 2026.

Kurz beantwortet: Die Wohnfläche ist die Summe der Grundflächen aller Räume, die ausschließlich zur Wohnung gehören, angerechnet nach Raumhöhe. Eine Dachseite mit 35 Grad Neigung und 50 cm Kniestock kostet je Meter Wandlänge rund 1,4 m² Wohnfläche gegenüber der Bodenfläche (Tabelle unten). Zum Selbstrechnen: kostenloser Wohnflächen-Rechner.

Warum ist die angegebene Wohnfläche so oft falsch?

Weil die Zahl fast nie gemessen, sondern abgeschrieben wird. Sie stammt aus einem alten Bauplan, aus dem Kaufvertrag der Voreigentümer oder aus einem Exposé von vor zwanzig Jahren. Umbauten, versetzte Wände, falsch angerechnete Dachschrägen und voll mitgezählte Balkone summieren sich auf mehrere Quadratmeter. Bei Miete und Kaufpreis entscheiden genau die über Geld.

Wie rechnet die WoFlV Dachschrägen und Balkone an?

Entscheidend ist die lichte Raumhöhe. Flächen ab 2 Metern Höhe zählen vollständig, Flächen zwischen 1 und 2 Metern zur Hälfte, Flächen unter 1 Meter gar nicht. Balkone, Loggien und Terrassen werden in der Regel mit einem Viertel angesetzt, höchstens mit der Hälfte.

Die DIN 277 erfasst Grundflächen dagegen vollständig, Nebenräume eingeschlossen, und liefert dadurch größere Werte. Der Verordnungstext steht im Original bei gesetze-im-internet.de.

Fläche oder RaumAnrechnung nach WoFlV [%]
Raumhöhe ab 2 m100 %
Raumhöhe 1–2 m (Dachschräge)50 %
Raumhöhe unter 1 m0 %
Balkon, Loggia, Terrassei. d. R. 25 %, max. 50 %
Unbeheizbarer Wintergarten50 %
Keller, Garage, Heizungsraum, Waschküche0 % (keine Wohnfläche)

Hinweis: vereinfachte Darstellung nach § 2 und § 4 WoFlV, Stand Oktober 2026. Keine Rechtsberatung im Einzelfall.

Wie viel Wohnfläche hat eine Dachgeschosswohnung mit Schrägen?

Deutlich weniger als die Bodenfläche, und der Unterschied ist größer, als die meisten schätzen. Das Rechenbeispiel zeigt eine Dachgeschosswohnung mit 92 m² Bodenfläche. Davon liegen 14 m² unter Schrägen zwischen 1 und 2 Metern Höhe und 6 m² unter 1 Meter, der Balkon misst 8 m². So rechnet die Wohnflächenverordnung:

Ergebnis: 81,0 m² Wohnfläche, also elf Quadratmeter weniger als die Bodenfläche. Steht im alten Exposé „92 m²", zahlt jemand für Fläche, die es rechtlich nicht gibt.

Was diese elf Quadratmeter wert sind: Weiterverkauftes Wohnungseigentum kostete in Dresden 2025 im Durchschnitt 2.705 € je Quadratmeter (Gutachterausschuss für Grundstückswerte Dresden, Eckdaten 2025). Elf Quadratmeter zu viel in der Anzeige entsprechen damit rechnerisch rund 29.755 € Kaufpreis für Fläche, die nach WoFlV nicht existiert. Die Messung, die das aufdeckt, kostet bei uns ab 540 € netto zzgl. 19 % USt. Die Rechnung für den Verkauf steht unter Immobilie verkaufen mit 3D-Rundgang.

Wie viel Wohnfläche kostet eine Dachschräge je nach Dachneigung?

Je flacher das Dach, desto mehr. Bei 50 cm Kniestock verliert jede Dachseite pro Meter Wandlänge genau 1 ÷ tan(Dachneigung) Quadratmeter gegenüber der Bodenfläche. Bei 45 Grad ist das 1,0 m², bei 30 Grad 1,73 m², bei 50 Grad 0,84 m². Die Werte sind nach § 4 WoFlV gerechnet und gelten für eine glatte Schräge ohne Gauben.

Neigung [Grad]Zone 1–2 m [m]Zone unter 1 m [m]Verlust je m Wand [m²]
301,730,871,73
351,430,711,43
401,190,601,19
451,000,501,00
500,840,420,84

Rechenweg: Die Zone zwischen 1 und 2 m Höhe zählt halb und ist waagerecht 1 m ÷ tan(Neigung) breit, die Zone unter 1 m zählt nicht und ist (1 m minus Kniestock) ÷ tan(Neigung) breit. Eigene Rechnung SCANWERK, Kniestock 50 cm, Stand Oktober 2026.

Ein Zimmer mit 4 m Wand unter einer 35-Grad-Schräge hat damit 5,7 m² weniger Wohnfläche als Bodenfläche, bei Schrägen auf beiden Seiten das Doppelte. Ein höherer Kniestock verkleinert nur die Zone unter 1 m, die halb angerechnete Zone bleibt gleich breit.

Woran scheitern Wohnflächenmessungen in der Praxis?

An den Sonderfällen, nicht an den Grundregeln. Die Anrechnung von Schrägen und Balkonen kennt fast jeder, doch die Wohnflächenverordnung regelt auch Treppen, Pfeiler, Nischen und Abstellräume. Genau dort entstehen die Abweichungen, die im Streitfall teuer werden. Die wichtigsten Fälle aus der Praxis:

Was passiert bei einer Abweichung von mehr als 10 Prozent?

Dann wird aus einer Zahl ein Anspruch. Weicht die tatsächliche Fläche um mehr als rund zehn Prozent von der vereinbarten ab, zieht die Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs die Grenze zur Erheblichkeit. Betroffen sind Miethöhe, Mieterhöhung, Betriebskosten, Kaufpreis und Versicherungssumme. Im Einzelnen:

Wie prüfe ich die Wohnfläche meiner Wohnung selbst?

Mit Laser-Entfernungsmesser, Zettel und etwas Systematik kommen Sie einem Verdacht in einer Stunde auf die Spur. Für eine belastbare Zahl reicht das nicht, für die Entscheidung, ob sich eine Messung lohnt, sehr wohl. Fünf Schritte, in dieser Reihenfolge:

Wann lohnt sich eine neue Vermessung der Wohnfläche wirklich?

Nicht jede Immobilie braucht eine neue Messung. In fünf Situationen zahlt sie sich fast immer aus: vor dem Verkauf, weil die Fläche den Angebotspreis bestimmt und vor späteren Ansprüchen schützt; vor der Neuvermietung, weil die Vertragsfläche jahrelang bindet; nach Umbauten; bei Dachgeschossen grundsätzlich; und bei jedem konkreten Verdacht auf Abweichung.

Die Faustregel dazu: Sobald eine Flächenzahl älter ist als der letzte Umbau oder aus einem Plan statt aus einer Messung stammt, ist sie ein Risiko. Ein typischer Auslöser ist die Nebenkostenabrechnung, die auf einer anderen Fläche basiert als der Mietvertrag.

Was unterscheidet Wohnfläche, Nutzfläche und Grundfläche?

Wohnfläche nach WoFlV ist die vermarktungsrelevante Größe für Wohnraum und rechnet Schrägen und Außenflächen nur anteilig an. Nutzfläche umfasst zusätzlich Räume wie Keller oder Abstellflächen, die keine Wohnfläche sind. Grundfläche nach DIN 277 misst alles zwischen den Wänden, ohne Anrechnungsfaktoren, dafür mit Keller, Schrägen und Nebenräumen in voller Größe.

Deshalb taucht die DIN 277 gern dort auf, wo eine große Zahl verkauft: Dieselbe Dachgeschosswohnung aus unserem Rechenbeispiel hat nach WoFlV 81 m², nach DIN 277 sind es 92 m² plus Kellerabteil. Seriös ist, wer die Methode dazuschreibt. Vorgeschrieben ist die WoFlV nach § 1 nur für geförderten Wohnraum; im freien Mietvertrag ist sie der übliche Maßstab, wenn nichts anderes vereinbart ist.

Bei Gewerbeflächen gilt eine andere Systematik: Dort wird üblicherweise nach DIN 277 oder nach der gif-Richtlinie MF-GIF 2023 gerechnet, mit voll angerechneten Dachschrägen: Mietflächenberechnung für Gewerbe und Gebäudevermessung per 3D-Scan.

Messen statt schätzen

Ob die Fläche stimmt, klärt eine Messung. Die Matterport Pro2 erfasst jeden Raum samt Schrägen, im Mittel auf 1 % genau (Herstellerangabe Matterport). Aus dem Modell entstehen Flächenaufstellung nach WoFlV und Grundriss. So läuft die Vermessung ab, alternativ direkt im 3D-Paket mit begehbarem Rundgang.

Häufige Fragen

Wie werden Dachschrägen bei der Wohnfläche angerechnet?

Nach der Wohnflächenverordnung zählen Flächen mit einer lichten Höhe ab 2 Metern voll, zwischen 1 und 2 Metern zur Hälfte und unter 1 Meter gar nicht. Bei 45 Grad Dachneigung und 50 cm Kniestock kostet das je Meter Wandlänge 1 m² Wohnfläche.

Zählt der Balkon zur Wohnfläche?

Balkone, Loggien und Terrassen werden nach WoFlV in der Regel mit einem Viertel angerechnet, je nach Wohnwert höchstens zur Hälfte. Eine volle Anrechnung ist ein häufiger Fehler in alten Exposés.

Zählt der Keller zur Wohnfläche?

Nein. Keller, Waschküchen, externe Abstellräume, Dachböden, Heizungsräume und Garagen sind Zubehörräume und keine Wohnfläche. Auch ausgebaute Kellerräume zählen nur, wenn sie baurechtlich als Aufenthaltsraum gelten.

Zählen Flur, Abstellkammer und Treppe innerhalb der Wohnung?

Flure und Abstellräume innerhalb der Wohnung zählen voll zur Wohnfläche. Treppen mit mehr als drei Steigungen zählen dagegen samt Treppenabsätzen nicht, was in Maisonette-Wohnungen ein häufig übersehener Abzug ist.

Was ist der Unterschied zwischen WoFlV und DIN 277?

Die WoFlV ist der Standard für Wohnraum (Miete, Verkauf) und rechnet Schrägen und Außenflächen nur anteilig an. Die DIN 277 erfasst Grundflächen vollständig, Keller- und Nebenräume eingeschlossen, und ergibt dadurch meist deutlich größere Werte. Wichtig ist, dass die Berechnungsart im Vertrag genannt wird.

Zählt der Dachboden zur Wohnfläche?

Ein Dachboden, der nur zum Abstellen oder Trocknen dient, ist nach § 2 Abs. 3 WoFlV ein Bodenraum und gehört nicht zur Wohnfläche. Ausgebaute Dachräume zählen nur, wenn sie die Anforderungen des Bauordnungsrechts an einen Aufenthaltsraum erfüllen. Dann werden die Schrägen nach Raumhöhe angerechnet.

Gilt für ältere Wohnungen noch die alte Berechnung?

Ja, wenn die Wohnfläche bis zum 31. Dezember 2003 nach der Zweiten Berechnungsverordnung ermittelt wurde. Dann bleibt es nach § 5 WoFlV bei dieser Berechnung. Erst bauliche Änderungen, die eine Neuberechnung nötig machen, führen zur Wohnflächenverordnung. Bei ausgebauten Dachgeschossen lohnt deshalb der Blick, wann und wonach zuletzt gerechnet wurde.

Was kostet es, die Wohnfläche professionell messen zu lassen?

Bei SCANWERK ist die Flächenermittlung im 3D-Paket ab 540 € netto für eine Wohnung enthalten, per Matterport-Scan erfasst, nach WoFlV gerechnet und mit Grundriss dokumentiert. Reine Vermessung ohne Rundgang auf Anfrage mit Festpreis vorab. Alle Preise zzgl. 19 % USt.

Fläche schwarz auf weiß?

Festpreis-Angebot innerhalb von 24 Stunden — Anfahrt im Umkreis von 90 Fahrminuten um Dresden ist enthalten.

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